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Mag 05

Ugg america

Falls jemand die Scheußlichkeit übersehen haben sollte oder für etliche Jahre in einer Zeitkapsel gefangen gewesen ist: Die Schuhe gibt es in beige, braun, grau, pink, blau, mit Glitzer oder ohne. Das Perfide an ihnen ist, dass sie mit weichem Lammfell gefüttert sind, nie scheuern und diabolisch gut die Füße wärmen. Eigentlich wurden sie in Australien entwickelt und von Surfern am Strand getragen.

Seit 2001 schlurfen Frauen auf aller Welt in den Fellschuhen bevorzugt durch die Stadt. Ein, zwei Jahre brauchte es alleine, bis sich herumsprach das Ugg Boots keinen Regen vertragen und sich nicht als Winterschuhe eigneten. Da war ihr Triumphzug aber schon im Gange. Eine Zeit lang schafften es die Zombies des Schuhwerks sogar noch, Frauen davon zu überzeugen, sich gleich mehrere Paar zu kaufen: halbhoch, hoch, in diesem schnuckeligen schokobraun oder, Gott bewahre, mit Pailletten. Sie wollen in den Trampel-Dingern vor den Altar treten? Kein Problem, es gibt eine extra Brautlinie.

Verdrängt wurde dabei immer eins: Man läuft auf Ugg Boots ungefähr so elegant, als wenn man zwei Plastik-Tüten an den Füßen oder rohes Hackfleisch in den Schuhen hätte. Bei schlechtem Wetter getragen, erinnern sie farblich an zwei Putzlumpen. Die Sohlen laufen sich unschön ab. Und manch einer fühlt sich an Krankenhaus-Schuhe erinnert, die alte Menschen bekommen, wenn sie sich wund gelegen haben. Alles egal. Fragt man die Trägerin, antwortet die mit seligem Grinsen: „Aber sie sind doch so bequem“.Allerdings, die Sache hat einen Haken. Denn anstelle der Ugg Boots gibt es schon länger eine neue Hässlichkeit an den Füßen der Stadt-Mädchen. Die Gummistiefel haben das Feld übernommen. Getragen selbst von Herzogin Kate. Die Hunter, Le Chameau oder Aigle schlichen sich über Bilder von Stars auf verregneten Rockfestivals in die Modemagazine und dann an die Füße der Stars. Dabei liegen die Stiefel preislich durchaus im gehobenen Segment.